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Peru Rainforest
Amazon Pachitea Panguana Species Diversity : Gliederfüßer in Baumkronen
Ist schon in den unteren Bereichen des Waldes die Vielfalt der Insekten verblüffend, so erreicht sie in den Kronenbereichen ihren absoluten Höhepunkt. Nirgendwo sonst auf der Erde gibt es eine derart hohe Artenvielfalt an Insekten wie in den Baumkronen tropischer Regenwälder. Die Biomasse der Insekten ist hier mit Abstand die höchste im gesamten Tierreich. Doch es gibt noch weitere Superlativen.
Schmetterlinge, Käfer, Libellen, hier erreichen sie Größen, die man sich anderswo kaum vorstellen kann.
Hinzu kommt die Farbenpracht vieler Insekten, die derjenigen der Vögel in nichts nachsteht. Besonders eindrucksvoll ist immer wieder die Begegnung mit einem Tagfalter der Gattung Morpho. Diese Tiere erreichen
Flügelspannweiten von 18 Zentimetern. Ihre meist mit Brennhaaren versehenen Raupen ernähren sich in luftiger Höhe und oft gemeinschaftlich von Leguminosenblättern (Hülsenfrüchte). Diese wohl schönsten Schmetterlinge der Neotropen naschen besonders gern an den Säften faulender Früchte. Blau schillernde Morpho-Falter ziehen auch in den unteren Waldetagen ihre Runden. Es ist nicht einfach, den Flug eines Morphos zu verfolgen. Die Färbung der Oberseite seiner Flügel entsteht nicht durch eingelagerte Pigmente, sondern durch besondere Strukturen, die uns d urch Lichtbrechung und Reflexion eine blaue Färbung nur vortäuschen. Dieses metallisch schillernde Blau blitzt
nur in dem Augenblick auf, in dem das Tier einen Lichtstrahl durchkreuzt. Möglicherweise irritiert dieser ständig seine Richtung wechselnde „blaue Blitz“
optisch orientierte Verfolger wie Vögel. Bei angelegten Flügeln ist ein Morpho wegen der Tarnfärbung seiner Flügelunterseite nur schwer zu entdecken.
Ganz anders verhalten sich die auffällig gefärbten Heliconius-Falter. Als Raupen
ernähren sich von den Blättern giftiger Pflanzen, deren Substanzen sie in ihrem Körper einlagern. Sind sie schließlich zum Schmetterling geworden,
signalisieren sie der ganzen Welt, dass man sie besser in Ruhe lassen sollte. Die orange-schwarze Kombination ihrer Warntracht wird überall auf der Welt verstanden. Und so können sich
diese Schmetterlinge im Unterschied zu Morpho einen ruhigen Flug leisten.
Sowohl in den Baumkronen als auch am Boden kann man den Wanderfaltern der Gattung Urania begegnen. Es sind tagaktive Nachtfalter, die wie die Zugvögel weite Wanderflüge unternehmen.
Jede Tageszeit hat ihren eigenen Klang. Das gilt sogar für die einzelnen Stunden.
Um 8 Uhr morgens ist die Geräuschkulisse anders als um 12 Uhr mittags. Besonders gravierend ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Während tagsüber die Singzikaden (Cicadoidea) ihre mechanisch klingenden Geräusche erzeugen,
dominieren nachts vor allem die Laubheuschrecken und Grillen. Das Schallorgan (Trommelorgan) der Zikaden, das nur bei den Männchen ausgebildet ist, befindet
sich auf der Bauchseite am Beginn des Hinterleibes. Zikaden ernähren sich von Pflanzensäften, indem sie mit
ihren zu einem Stechorgan umgebildeten Mundwerkzeugen Pflanzen anstechen. Zur Fortpflanzung verlassen sie
meist die luftigen Höhen. In Baumritzen und Löchern in Bodennähe legen sie ihre Eier ab. Die daraus
schlüpfenden Larven vergraben sich im Boden und saugen an Pflanzenwurzeln. Es kann bis zu zehn Jahre dauern, bis aus so einer Larve eine Zikade geworden ist.
Die Vielfalt an Insektenlauten ist für uns Menschen verwirrend, oft nicht zu deuten und vor allem nur selten einer
bestimmten Art oder einem Individuum zuzuordnen. Ein Insekt allerdings kann so etwas. Aus dem nur scheinbaren
Chaos von Geräuschen filtert es den arteigenen Laut heraus, um sich an ihm zu orientieren. Revierabgrenzung, Partnersuche, Feindabschreckung – die Bedeutung der Geräusche ist vielfältig.
Ausgesprochen leise geht es im Reich der giftigen Einzelgänger zu. Spinnen, Hundertfüßer und Skorpione – sie
dürfen keine Geräusche verursachen, wenn sie erfolgreich jagen wollen. Vogelspinnen, die größten und oft mit Abscheu behafteten Gliedertiere, jagen in allen Etagen des Waldes. Gleich den Bärlappen, den Termiten und den
Tapiren, sind auch diese zu den altertümlichsten Lebewesen gehörenden Gliedertiere „lebende Fossilien“, die zu den ältesten Landtieren überhaupt gehören. Die baumbewohnenden Arten der Gattung Avicularia sind für den Menschen kaum gefährlich. Während die Männchen viel auf Wanderschaft sind,
führen die Weibchen ein verborgenes Leben in gut getarnten Wohngespinsten. Die relativ schwache Giftigkeit eines Vogelspinnenbisses ist auch der Grund
dafür, dass die Tiere ihre Beute meist mechanisch töten müssen. Bedrohte Vogelspinnen richten ihre Vorderbeine auf und präsentieren dem Feind die
oftmals auffällige Farbe der Fußunterseite. Darüber hinaus streifen sie feine Härchen vom Hinterleib ab, die beim Einatmen Entzündungen in Rachen, Hals
und Lungen verursachen können.
Nicht selten fressen Vogelspinnenweibchen nach der Paarung ihre Männchen auf. Für dieses Verhalten gibt es
keine eindeutige Erklärung. Es ist aber bekannt, dass ein gut genährtes Weibchen mehr Eier ablegt als ein
hungerndes. Möglicherweise ist also die Aussicht auf eine größere Kinderschar der Grund für den Gattenmord. Die
bis zu 200 Eier werden in einen Gespinstkokon verpackt und vom Weibchen bis zum Schlupf bewacht. Nach dem
Schlüpfen bleiben die Jungen noch ein paar Tage bei ihrer Mutter, bis sie sich selbst in alle Richtungen verteilen
um auf die Jagd zu gehen. Zuvor aber verzehren sie noch ihre schwächeren Geschwister....
Ameisen sind überall im amazonischen Regenwald anzutreffen und so ist es nicht verwunderlich, dass auch sie
die Kronenregion erobert haben. Dort besiedeln sie vor allem die Wurzelballen der Aufsitzerpflanzen. Mit ihren Abfällen düngen sie deren Wurzeln. Gleichzeitig sorgen sie für eine Durchlüftung der Ballen, in denen noch andere Tiere wie Tausendfüßer und Skorpione vorkommen. In einigen Gebieten Amazoniens leben in diesen
Wurzelballen hoch oben im Wald sogar Regenwürmer!
Die in den Baumkronen lebenden Ameisen sorgen nicht nur für Düngung und Belüftung bereits vorhandener
Aufsitzerpflanzen, sondern unterstützen sogar die Verbreitung einer Vielzahl von Pflanzen. In verlassenen
Ameisennestern kann man hohe Konzentrationen verschiedener Mineralien nachweisen. Diese stammen aus den Exkrementen der Ameisen sowie aus in das Nest hineingebrachten Tier- und Pflanzenteilen. Ein auf diese Weise
gedüngtes Substrat bildet einen hervorragenden Nährboden für keimende Jungpflanzen. Zu den Pflanzenteilen, die von den Ameisen in so ein Nest getragen werden, gehören
auch Samen, die häufig schon zu keimen beginnen, wenn das Ameisennest noch bewohnt ist. Das austreibende Wurzelgeflecht des Keimlings stabilisiert das Nest, verdickt
dessen Wände und schützt seine Mieter wie eine Betonwand. Ein sogenannter Ameisengarten ist entstanden.
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